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Altersvorsorge

Acht Irrtümer in Sachen Rente

Dass die gesetzliche Rente im Alter nicht reicht, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dennoch begehen viele Vorsorge-Sparer nach wie vor gravierende Denkfehler.
1. Ich bin jung, die Altersvorsorge hat noch Zeit
Ein populärer Denkfehler! Denn das Sparen im Alter kostet viel mehr Geld. Wer hingegen in jungen Jahren startet und den Zinseszins für sich arbeiten lässt, der kommt mit vergleichsweise wenig Aufwand zum Ziel. Beispiel: Ein 27-Jähriger spart monatlich 50 Euro in einen Indexfonds auf den Dax. Bei sechs Prozent Durchschnittsrendite hat er mit 67 ein Guthaben von fast 100.000 Euro angespart. Beginnt er erst mit 47, ist mehr als die vierfache Sparsumme erforderlich, nämlich 219 Euro, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen.

Tipp: Beginnen Sie möglichst früh mit dem Sparen und bleiben Sie auch in schlechten Zeiten am Ball. Ausdauer zahlt sich aus!

2. Auch Kleinvieh macht Mist

Schön wärs! Zwar werben Banken mit Sparplänen ab 25 Euro pro Monat, doch aus solch kleinen Beträgen erwächst kein hinreichendes Vorsorgekapital. Selbst wenn Sie früh mit dem Sparen beginnen und eine gute Rendite von sechs Prozent erzielen, wären nach 40 Jahren nicht mehr als 48.000 Euro drin. Minus Abgeltungssteuer lässt sich aus diesem Betrag keine signifikante Zusatzrente generieren.

Tipp: Beginnen Sie mit wenigstens 50 Euro monatlich und stocken Sie den Betrag mit steigendem Einkommen sukzessive auf.

3. Einkommensbedarf im Alter zu niedrig ansetzen
Viele Berufstätige sind der Meinung, dass ihre Einkünfte aus gesetzlicher und betrieblicher Rente ihren Finanzbedarf im Alter abdecken. Doch das ist nur selten der Fall. Die Renteneinkünfte erreichen oft nicht die Hälfte der früheren Gehaltshöhe, zudem schmälern Steuern und Krankenkassenbeiträge die Nettorente. Der jüngste Versorgungsatlas von Union Investment errechnete im Bundesdurchschnitt eine Rentenlücke von 656 Euro.

Tipp: Ermitteln Sie möglichst genau Ihre Versorgungslücke und schließen Sie diese mit geeigneten Sparformen, etwa Fonds oder ETFs.

4. Geldentwertung vernachlässigen

In den vergangenen Jahren lag die Inflationsrate teils deutlich unter zwei Prozent, das erscheint vielen vernachlässigbar. Irrtum. Mäßige Lohnsteigerungen führten dazu, dass Rentner und Beschäftigte reale Kaufkraftverluste hinnehmen mussten. "Gerade Deutschland hat hier in den vergangenen Jahren an der Lohnschraube gedreht. Wirtschaftliche Vorteile der Unternehmen wurden auch durch Zurückhaltung bei den Löhnen erkauft", kritisiert Christian Nemeth, Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

Tipp: Berücksichtigen Sie bei der Ermittlung der privaten Zusatzrente die Wirkung der Inflation. Ein Sparziel von 100.000 Euro hat bei zwei Prozent Inflationsrate nach 25 Jahren nur noch eine Kaufkraft von etwa 61.000 Euro. Um den realen Wert von 100.000 Euro zu erhalten, müssten Sie eine Zielsumme von 164.000 Euro ansetzen.

5. Rentendauer zu kurz planen

Trotz steigender Lebenserwartung glauben viele, dass sie nur zehn oder 15 Jahre Rente beziehen werden. Dabei liegt die durchschnittliche Rentenbezugsdauer heute bereits bei rund 20 Jahren - Tendenz steigend. Die Höhe der anzusparenden Zusatzrente sollte daher nicht zu niedrig angesetzt werden. Planen Sie - je nach Rentenbeginn - 25 bis 30 Jahre Rentenbezugsdauer ein. Möchten Sie 25 Jahre lang monatlich 500 Euro Zusatzrente erhalten, dann benötigen Sie einen Kapitalstock von etwa 110.000 Euro nach Steuern. Wird das Geld zu drei Prozent Zinsen angelegt, ist inklusive Vermögensverzehr ein Vierteljahrhundert lang die gewünschte Zusatzrente gesichert.

Tipp: Trauen Sie sich keine eigene Rentenlösung zu, könnte eine Sofortrente weiterhelfen. Die Versicherung garantiert lebenslange Rentenzahlungen in festgelegter Mindesthöhe - egal wie alt Sie werden.

6. Mein Haus reicht zur Alterssicherung

Diese Einschätzung geht nicht immer auf. Eigennutzer wohnen zwar mietfrei in ihren vier Wänden, das bringt finanzielle Entlastung. Andererseits sind der Arbeitsaufwand und die Kosten für Reparaturen und Instandhaltung des Eigenheims nicht zu unterschätzen. Mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, die Lasten zu bewältigen - die gesetzliche Rente reicht für größere Sanierungen sowieso nicht aus. Das Eigenheim sollte daher immer nur ein Teil der privaten Altersvorsorge-Bemühungen sein.

Tipp: Mögliche Alternativen sind die Verrentung der Immobilie oder der Verkauf bei gleichzeitigem Umzug in eine kleine Wohnung oder ein Heim mit altersgerechter Betreuung.

7. Aktien sind zu riskant für die Altersvorsorge

Langfristig gesehen ist diese Annahme falsch. Berechnungen des deutschen Aktieninstituts zeigen, dass das Risiko, mit Aktien Verlust zu machen, nach etwa 15 Jahren gegen null tendiert. Mehr noch: Aktien sind aktuell die einzige Anlageform, die langfristig attraktive Nettorenditen erzielt. Unabdingbar sind aber ein langer Anlagehorizont und ein gut diversifiziertes Depot, das Wertschwankungen abfedert. Setzen Sie nicht nur auf eine Region oder eine Branche, sondern streuen Sie breit. Mischen Sie verschiedene Assetklassen, etwa Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe.

Tipp: Die Verbraucherzentralen empfehlen kostengünstige ETFs. Die börsengehandelten Indexfonds, wie etwa der MSCI World Index, investieren breit in einen ganzen Markt und sind flexibel handelbar.

8. Die Rente wird nicht besteuert

Falsch! Seit 2005 unterliegen Renten der Steuerpflicht. Der steuerpflichtige Anteil beträgt für Neurentner seit diesem Jahr 76 Prozent. Für jeden Neurentnerjahrgang kommen weitere zwei Prozent hinzu. Ab Renteneintritt 2040 ist die komplette Rente steuerpflichtig, so wie es heute schon Betriebsrenten und Riester-Renten sind. Die Höhe der Steuern richtet sich nach der Rentenhöhe und weiteren Einkünften wie Mieten, Nebenjobs etc. Positiv: Auch für Rentner gelten Freibeträge, etwa der Grundfreibetrag oder der Altersentlastungsbetrag.

Tipp: Berücksichtigen Sie die Steuerbelastung bei Ihrer Ruhestandsplanung. Setzen Sie entsprechend höhere Sparsummen bei Ihrer Privatvorsorge an.
 
von Max Geißler
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